2015–2016: Anfänge und Gründung
Die Wurzeln des heutigen Hauses der sozialen Vielfalt gGmbH (Haus SoVi) reichen in das Jahr 2015 zurück. Inmitten der damaligen Geflüchtetenbewegung engagierten sich in Leipzig zahlreiche Ehrenamtliche und Studierende in der Unterstützung geflüchteter Menschen. Dabei wurde schnell deutlich: Es fehlten Angebote, die sich fachlich fundiert und zugleich lebenswelt- und kultursensibel mit dem Themenfeld religiös begründeter Extremismus auseinandersetzten.
Einen entscheidenden Impuls gaben dabei Menschen, die mehrere Perspektiven miteinander verbanden: Sie kannten migrantische Lebensrealitäten aus eigener Erfahrung und waren zugleich in deutschen Bildungs- und Institutionensystemen zu Hause. Dadurch konnten sie Bedarfe besonders gut erkennen – und Brücken zwischen migrantischer Community, Zivilgesellschaft und Regelstrukturen bauen. Aus diesem Umfeld heraus entwickelte sich eine Initiative, die von Beginn an im engen Austausch mit Akteur:innen aus Zivilgesellschaft, Fachpraxis und kommunalen Kontexten stand.
2016 wurde die Initiative als eigenständige gemeinnützige Einrichtung unter dem Namen Zentrum für Extremismusprävention e.V. formal gegründet. Leitgedanke war, eine Institution aufzubauen, die nicht nur reagiert, sondern langfristig Strukturen schafft: präventiv, beratend und vernetzend.
2017: Professionalisierung und Vernetzung
Mit dem Leipziger Präventionsnetzwerk gegen religiös begründeten Extremismus begann 2017 die Phase der Professionalisierung. Ziel war es, in Leipzig die staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteur:innen zu verbinden, die Berührungspunkte mit dem Themenfeld hatten – und damit eine Grundlage für abgestimmtes, fachlich fundiertes Handeln zu schaffen. Hintergrund war, dass religiös begründeter Extremismus in Sachsen damals als vergleichsweise neues und zugleich wenig sichtbares Phänomen galt, während Wissen, Zuständigkeiten und Ansprechstrukturen erst im Aufbau waren.
2017–2019: Erweiterung der Handlungsfelder und Projektarbeit
Im Laufe der Zeit zeigte sich, dass wir nur dann nachhaltig wirksam sein können, wenn wir gesellschaftliche Fragen nicht isoliert betrachten. So erweiterten sich die Handlungsfelder um Themen wie Kommunen- und Gemeinde-Dialog, die Auseinandersetzung mit Diskriminierungsformen sowie die Stärkung von Teilhabe und Selbstorganisation. Projekte wie „UMUT – Muslimische Gemeinden als kommunale Akteure“ und „Muslimische Jugendarbeit – Gemeinsam stark gemacht“ stehen exemplarisch für diese Entwicklung: Sie knüpften an konkrete Bedarfe an und stärkten Kooperationen zwischen migrantischer Community und Stadtgesellschaft.
2020–2021: Verortung im Stadtteil und Umbenennung
Ein sichtbares Zeichen dieser Haltung war auch der Umzug 2020 in die Eisenbahnstraße 31 – bewusst dorthin, wo ein großer Teil der migrantischen Community lebt und ihren Alltag gestaltet: in den Leipziger Osten, in ein Stadtviertel, das durch Vielfalt, Ankommen und Zusammenleben geprägt ist. Haus SoVi wollte aus der Community herausarbeiten – nahbar, erreichbar und verankert im Stadtteil. Denn tragfähige Lösungen entstehen aus unserer Erfahrung dann, wenn Angebote nicht „für“, sondern mit Menschen entwickelt werden.
Mit den inhaltlichen Erweiterungen passte der bisherige Name nicht mehr zur Ausrichtung des Trägers. Im Jahr 2020 zeigte sich in der Praxis immer deutlicher, dass der Bedarf weit über das ursprüngliche Themenfeld hinausgeht: Wir wollten facettenreicher arbeiten und insbesondere durch Empowerment-Arbeit Jugendliche und ihre Familien stärken – als Grundlage für Teilhabe, Orientierung und stabile Perspektiven. Diese Arbeit hat gerade in unserem Kontext einen stark präventiven Charakter und erzielt nachhaltige Wirkung, weil sie früh ansetzt, Beziehungen stärkt und Zugänge zu Unterstützung eröffnet.
Vor diesem Hintergrund entschied sich der Verein 2021 für die Umbenennung in Haus der sozialen Vielfalt e.V. – als bewussten Ausdruck eines breiteren Ansatzes, der Vielfalt als Stärke versteht und das Miteinander auf Augenhöhe in den Mittelpunkt stellt.
2022 bis heute: Ausbau der Jugendhilfe und strukturelle Weiterentwicklung
Ab 2022 wuchs eine zweite tragende Säule: die Kinder- und Jugendhilfe. Aus der Praxis heraus wurde deutlich, dass junge Menschen nachhaltiger unterstützt werden können, wenn das Familiensystem und die Lebensrealitäten im Ganzen betrachtet werden. Zunächst entstanden ambulante Angebote, die kultursensibel und lebensweltorientiert arbeiten. In einer Zeit, in der Leipzig stark durch die Situation unbegleiteter minderjähriger Geflüchtete gefordert war, brachte Haus SoVi seine Expertise auch in Inobhutnahme-Kontexten ein und unterstützte dabei, fachgerechte Soziale Arbeit unter hoher Belastung sicherzustellen. In der Folge entstanden neben den ambulanten Angeboten auch erste Wohngruppen und weitere Wohn- und Verselbständigungsformate.
Mit dem Wachstum, der steigenden Verantwortung und der inhaltlichen Breite wurde 2023 die Umwandlung in eine gemeinnützige GmbH beschlossen. Seit 2025 ist Haus SoVi zudem mit einer ersten Zweigstelle auch in Halle (Saale) vertreten und trägt den Ansatz über Leipzig und Sachsen hinaus weiter.